Das Dorfgeschehen

Aus der Dorfchronik "700 Jahre Rutsweiler am Glan" von Karl Emrich 
 
Ruzweiler, ein geringes Dörflein von 16 Häusern am Potzberg, auf der rechten Seite des Glanes", so beginnt die knappe Beschreibung unseres Ortes aus dem Jahre 1788, die auch gleichzeitig die unbedeutende geschichtliche Vergangenheit treffend wiedergibt.
Im 30-jährigen Krieg (1618-1648) teilte der Ort das Schicksal der ganzen Region. Plünderungen, Brandschatzungen sowie die Pest Hessen sie fast völlig entvölkern. So sollen ganze acht Familien im Dorf das Grauen überlebt haben. Häuser verfielen, Gebüsch und Gehölz überzog die Ruinen nach wenigen Jahren. Nach dem Krieg dauerte es lange Zeit, bis die ursprüngliche Einwohnerzahl wieder annähernd erreicht war. Da brach der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688) aus, der mit einer bis dahin unbekannten Brutalität geführt wurde. 1790 bestand der Ort aus 19 Häusern und 10 Scheunen, bevor zwei Jahre später (1792) der Revolutionskrieg wiederum die Pfalz erreichte. Französische Truppen drangsalierten die Einwohner unserer Gegend und nahmen ihnen das letzte Stück Vieh aus dem Stall.
Auf dem Grundstück des „Ackerers" Jakob Niebergall, heute Anwesen Kuntz/-Tamm, errichteten fünfzehn ortsansässige Landwirte im Jahr 1855 eine kleine Genossenschaftsmühle, die sich dabei der vermeintlichen Wasserkraft des Mutterbaches ("Gelbe Wasser") bedienen wollten. Ihre Erwartungen wurden dabei so arg enttäuscht, dass sie schon 1860 wieder der Vergangenheit angehörte.

1869 bestand der Ort aus 27 Wohnhäusern und 10 Nebengebäuden, deren Brandversicherungswert auf insgesamt 26 .060 Gulden taxiert war.
Am 21. Juli 1882 wurde Rutsweiler, wie alle Potzbergdörfer, von einem verheerenden Unwetter heimgesucht. Von einem extrem tiefhängenden Gewitter entluden sich fast eine Stunde lang sintflutartiger Regen und Hagelschlag, der u.a. die gesamte Ernte vernichtete und die Menschen in eine unbeschreibliche Notlage brachte. In einer großen Solidaritätsaktion vieler Gemeinden und anderen Institutionen der Pfalz, wurden Naturalien und Geld zur Behebung der Schäden gespendet. Selbst der bayerische König zeigte sich großherzig. Ein ähnlich schweres Unwetter ereignete sich am 4. August 1928.

Das Vorhaben der Obrigkeit, im Jahre 1908 das Dorf mit Theisbergstegen zu vereinigen, stieß auf den entschiedenen Widerstand des Gemeinderates. Am 15. Mai des gleichen Jahres wurde die zentrale Wasserversorgung in Betrieb genommen. Bis dahin waren die Bewohner auf ihre hauseigenen Brunnen angewiesen. Mit einem Kostenaufwand von ca. 13.000 Mark wurde eine Quelle in dem stillgelegten Quecksilberstollen „Glück auf gefasst und über einen 33 Kubikmeter großen Bassin an die Hausanschlüsse geleitet. Annähernd 50 Jahre reichte die Schüttung der Quelle aus, den Bedarf zu decken. Mit der wachsenden Bevölkerung, der zunehmenden Installierung von Bädern und Toiletten mit Wasserspülung, aber auch mehrere regenarme Jahre, kam es Ende der 50-er Jahre zu einer permanenten Wasserknappheit. Der Einbau von Wasserzählern und die Heranführung von Wasser in Tankfahrzeugen konnten auf Dauer das Problem nicht lösen. So sah sich der Gemeinderat gezwungen ab l. Januar 1974 dem „Wasserzweckverband Ohmbachtal" beizutreten, der mittlerweile über Ringleitungen und riesige Vorratsbehälter die ganze Westpfalz versorgt.
Das elektrische Licht hielt am l. Januar 1923 Einzug im Dorf, nachdem der l. Weltkrieg eine frühere Fertigstellung verhinderte.
Der Landkreis Kusel schmückt sich mit dem Prädikat „Musikantenland", wohl als Erinnerung an die viele Wandermusikanten, die im 19.-20. Jahrhundert nahezu die ganze Welt bereisten. In den Publikationen sucht man Rutsweiler als Heimatort vergeblich, obwohl wenigstens zwei Männer von hier aus auf „Tournee" gingen, wie aus den wenigen Unterlagen oder mündlichen Überlieferungen hervorgeht:
   1. Fauß, Jakob. Sein Reiseziel war 1852 Frankreich
   2. Gehm, Ludwig. Bei Ausbruch des l. Weltkrieges befand er sich in England, wo er bis zum        Kriegsende interniert war.
Über den Musiker und Steinbrecher Ulrich, Karl-Julius (etwa 1860 aus Quirnbach zugezogen), gibt es dagegen keine Hinweise auf eine musikalische Wanderschaft.
Durch die fatale wirtschaftliche Entwicklung der zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wie Inflation und Arbeitslosigkeit, fiel die Ideologie der Nationalsozialisten auch hier auf fruchtbaren Boden. Bei der Wahl zum Reichstag und der Volksabstimmung zur Außenpolitik am 12. November 1933, erhielt die NSDAP nicht weniger als 166 von 167 abgegebenen Stimmen. Eine Stimme votierte mit „nein". Voller Stolz wurde im Schultagebuch dazu vermerkt: „Auch Rutsweiler ist endlich erwacht!" Die Schuljugend und das Jungvolk wurden aufgefordert, sowohl am Vorabend wie am Wahltag selbst, noch durch die Strassen zu ziehen, um mit rechtsgerichteten Liedern und Parolen die Wähler in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Wohl noch unter dem Eindruck des unseligen 3. Reiches, standen die Bürger der l. Wahl für den Landtag und der Volksabstimmung für die Verfassung von Rheinland-Pfalz, am 18. Mai 1947, äußerst skeptisch gegenüber. Von den 193 Stimmberechtigten gingen nur 96 zur Wahl, was einer Beteiligung von 50 % entsprach, wovon 88 gültig waren. Dabei erhielt die CDU 10, die SPD 60, die KPD 15 und der Sozialistische Volksbund 3 Stimmen. Für die Verfassung sprachen sich nur 13 Wähler aus, während 71(!) mit „nein" stimmten. Nicht überall im Lande war die Ablehnung so groß, denn mit 604 316 „ja" gegen 503 737 „nein" Stimmen bekam sie doch die erforderliche Zustimmung. Die Landtagswahl im März 2001 brachte folgendes Ergebnis: Von den 306 Wahlberechtigten wurden 185 Stimmen abgegeben, von denen 181 gültig waren. Es entfielen auf die SPD 113 (62,4 %), CDU 29 (16,0 %), FDP 8 (4,4 %), Grüne 13 (7,2 %), REP 16 (8,8 %), FWG 1 (0,6 %) und Sonstige l (0,6 %).
1936 erhielt der Ort erstmals eine Poststelle mit einem öffentlichen Fernsprecher. Am 31. Januar 1995 wurde sie, wie in allen Dörfern der Umgebung, aus Rationalisierungsgründen geschlossen. Selbst die Telefonzelle in der Dorfmitte verschwand 1998 wieder, da sie durch die Zunahme der Mobiltelefone kaum mehr in Anspruch genommen wurde.
- Den Ereignissen des 2. Weltkrieges ist ein besonderes Kapitel gewidmet. -
Ein Holzsteg über den Glan, der über Jahrzehnte hinweg für Wanderer ein beliebter Übergang war, aber insbesondere den Steinbrucharbeitern auf dem Weg zum Arbeitsplatz zugute kam, wurde das Opfer treibender Eisschollen nach dem kalten Winters 1948/49. Ein im gleichen Jahr neuerrichteter Steg hielt den Anforderungen bis 1972 stand, ehe er wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Mehrere Initiativen wieder einen Übergang zu errichten, scheiterten am fehlenden öffentlichen Interesse.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts markierten das alte Schulhaus und das Anwesen Schütz die beiden Ortseingänge. Die Pflanzung der Linde und der Bau des Brunnens ist unbekannt, dürfte aber um 1895 geschehen sein. Das auf der anderen Straßenseite stehende frühere Feuerwehrgerätehaus (Spritzenhaus) zählt jedenfalls zu den ältesten Gebäuden. Erst Ende 2001 erfuhr das Dach eine gründliche Instandsetzung. Das angrenzende Wohnhaus Weber/Stemler befand sich ursprünglich im Gemeindebesitz. Es war sozusagen die „Dienstwohnung" des Sauhirten, dessen Aufgabe es war, die Säue der Bauern tagsüber zu hüten bis sie reif für den Metzger waren.
Noch bis Ende der 50-er Jahre des vorigen Jahrhunderts beschränkte sich die dörfliche Ausdehnung überwiegend entlang der Hauptstrasse. Erst mit dem Bau der Schul- und Borrwiesenstraßse gab es eine Verbreitung zum Potzberg hin. So entstanden nach dem 2. Weltkrieg ca. 70 Neubauten.
1975 erhielt das Dorf eine zentrale Abwasserentsorgung. 1977 wurde die Hauptstrasse mit beidseitigen Bürgersteigen verkehrsgerecht ausgebaut. 1983 erfolgte die Herrichtung der Schulstrasse und der Borrwiesenstraße.
Im Jahr 1986 nahm der Ort am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden" teil und erreichte auf Anhieb den 2. Platz auf Kreisebene. Im gleichen Jahr wurde die Dorflinde als Naturdenkmal ausgewiesen.
Bei der Wahl zur „Kuseline 89“ ging Sonja Pohl aus Rutsweiler als Gewinnerin hervor und vertrat den Landkreis Kusel ein Jahr lang als Repräsentantin.
Das erst 1995-97 auf der Gemarkung „Spitzenacker“ erschlossene Neubaugebiet mit 8 Bauplätzen, war innerhalb kurzer Zeit vergeben. Die vermeintlichen Belästigungen durch den nahen Steinbruch, vermochte die Baulustigen nicht abzuhalten dort ihr Häuslein zu errichten.
Im Jahr 2001 durfte sich wieder ein Mädchen aus dem Ort mit einem Titel schmücken: Die 17-jährige Martina Hobel wurde zur „Bienenkönigin" gewählt Andrè Bour zeichnete sich als erfolgreicher Triathlet aus.

Der Grossteil der Bevölkerung arbeitete bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts in den Steinbrüchen rund um den Remigiusberg. Als Nebenerwerb wurde noch Landwirtschaft betrieben. An Gewerbetreibenden gab es die beiden Kolonialwarengeschäfte Hoffmann und Ludwig, das Baugeschäft Scböfer, das Malergeschäft Seyl, die Schmiede Fauß, Jakob sen., die Gaststätten Kaiser und Rubel, letztere verbunden mit einer Schneiderei, die Metzgereifiliale Drumm, die Schuhmacherei Schöfer, das mobile Fisch- und Obstgeschäft Hettrich sowie die Bäckerei Fauß, die als einzige heute noch existiert. Daneben boten die beiden Heimnäherinnen C. Mende und M. Kuntz ihre Dienste an. An selbständigen Betrieben gibt es derzeit neben der Bäckerei Fauß/Leixner den Forellenzuchtbetrieb Seyl, den Kommunal und Haus Service Dietmar Sander und die Elektroinstallationsfirma Christoffel. Mangels geeigneter Arbeitsplätze in der näheren Umgebung sind die Bürger mitunter gezwungen tägliche Fahrten bis nach Ludwigshafen auf sich zu nehmen.

Ein gewaltiger Knall, verbunden mit einem Steinhagel, versetzte am 10. September 2001 mittags gegen 13.30 Uhr die Dorfbewohner in helle Aufregung. Der Grund war eine zu heftige Sprengung im gegenüberliegenden Steinbruch. Durch die Gesteinsbrocken, einzelne wogen bis zu 20 kg, gingen Fensterscheiben zu Bruch, Fassaden, Gartenzäune und selbst Möbel wurden in Mitleidenschaft gezogen. Glücklicherweise wurden keine Menschen verletzt Die sofort eingeleiteten Untersuchungen des Bergamtes ergaben, dass eine Übermenge von 50 kg Sprengstoff zu der folgenschweren Detonation geführt hat. Ein schuldhaftes Verhalten der Verantwortlichen habe dennoch nicht vorgelegen. Die Presse nahm den Vorfall zum Anlass tagelang darüber zu berichten. Sogar das Fernsehen ließ es sich nicht nehmen einen Beitrag aufzunehmen, der jedoch wegen der fortlaufenden aktuellen Berichterstattung von den Terroranschlägen am 11. September in Amerika nicht zur Ausstrahlung kam.