Das Vereinswesen

Aus der Dorfchronik "700 Jahre Rutsweiler am Glan" von Karl Emrich
 
Die Behauptung, dass wir Deutschen ein Volk von „Vereinsmeiern" seien, vermag bestenfalls noch theoretisch stimmen. Die Wirklichkeit sieht heute ganz anders aus. Zusammengefasst lässt es sich unter dem Motto: „Viel Freude - wenig Verein" sehr treffend beschreiben. Das heißt, man nimmt die Angebote dieser Organisationen gerne wahr, wenn keine Mitgliedschaft oder andere Verpflichtungen damit verbunden sind. Durch die vielfältigen Veranstaltungen die uns täglich erreichen, leben wir nicht nur zerstreut, sondern auch verstreut: jeder vor sich hin, jeder mit einem anderen Programm, einem anderen Ziel, folglich auch ohne Zusammenhalt.
Diese Entwicklung hat auch vor unserem Dorf nicht Halt gemacht. Nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung sieht sich veranlasst, aus welchem Grund auch immer, an den Veranstaltungen der Vereine gegenwärtig noch teilzunehmen oder gar als Helfer sich zur Verfügung zu stellen. Die Frustration der Vereinsoberen ist daher nur allzu verständlich. Dass die Zustände in den Nachbarorten ähnlich sind, kann nur ein schwacher Trost sein.
Bevor die zur Zeit aktiven Vereine vorgestellt werden, soll der Blick zurück gehen in die Vergangenheit: 

Als wohl ältester Verein, dessen Existenz nur noch durch Presseartikel aus jener Zeit belegt ist, dürfte der „Gemüthlichkeitsverein" gelten, der um 1895 seine Gründung erfuhr. Regelmäßig veranstaltete er Theateraufführungen, Waldfeste, Ausflüge und Bälle, bis sich seine Spur mit Ausbruch des l. Weltkrieges verliert. .
Wesentlich länger hielt sich dagegen der „Zimmerstutzenverein", der 1903 aus der Taufe gehoben wurde. Die ständigen Preisschiessen- und Schützenfeste zeugen von der damaligen Popularität des Freizeitvergnügens. Dementsprechend groß wurde am 27. Juni 1933 das 30jährige Stiftungsfest gefeiert, über dessen Verlauf die Presse u.a. so zu berichten wusste: „Bei herrlichstem Wetter waren zahlreiche Bundesvereine und sonstige Freunde des Schießsportes erschienen. Unter den Besuchern konnte man u.a. eine Abordnung des Schützenvereins Alemannia Kaiserslautem feststellen. Um halb 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die reich geschmückten Ortsstraßen zu dem herrlich gelegenen Festplatz. Daselbst entwickelte sich bald unter den Klängen der vortrefflichen Kapelle Rech sr. ein frohes Leben und Treiben. Die Schießleistungen waren hervorragend, so konnten 10 Schützen 36 Ringe erzielen. Das Fest erreichte seinen Höhepunkt mit der Ehrung von 6 Gründungsmitgliedern, denen die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde."

Nach Ende des 2. Weltkrieges war es gerade dieser Verein, der als Erster 1949 wieder seine Tätigkeit aufnahm. Im Sommer 1952 veranstaltete er hinter dem Anwesen Groß/Niebergall ein Schützenfest, das mit seinen zahlreichen Besuchern auch die optimistischsten Erwartungen weit übertraf. Mit dem üppigen Gewinn wurde nicht nur eine Spende für die Herrichtung des Ehrenmals auf dem Friedhof getätigt, sondern gar ein richtiger Spielmannszug auf die Beine gestellt. Sonntagsmorgens wurde fortan kräftig das Musizieren im Gleichschritt geübt. Nach der Anfangseuphorie und einigen Auftritten ließ das Interesse rasch wieder nach. Die Auflösungserscheinungen ergriffen selbst den ganzen Verein, der Ende der 50er Jahre von der Bildfläche verschwand. Wo die Musikinstrumente und Waffen verblieben sind, vermag heute niemand mehr zu sagen.
Als weitere Institution ist noch der „Obstbauverein" zu erwähnen, der um 1970 einging. Als Relikt über dessen Existenz ist bis zum heutigen Tag die Dosenabschneide- und Verschlussmaschine erhalten geblieben.